Vom Pferdekarussell zum Fünferlooping

Düren, den 15.07.2013

Düren. Eine schöne Einstimmung auf die kommende Annakirmes, deren 375-jähriges Jubiläum die Stadt Düren dieses Jahr feiert, war ein reich bebilderter Vortrag von Dr. Horst Wallraff im Leopold-Hoesch-Museum über die langsame Entwicklung vom Kirchweih-Fest bis zur Kirmes-Oktav mit einer lebhaften Talkrunde im Anschluss.

Von links: Bürgermeister Paul Larue, Schausteller Jakob Schleifer, Schaustellerverbandsvorsitzender Bert Cremer, Platzmeister Achim Greiff und Historiker Dr. Horst Wallraff vom Stadt- und Kreisarchiv beleuchteten in der Talkrunde mit Moderator Ingo Latotzki die verschiedensten Facetten der Dürener Annakirmes. Im Vordergrund des Fotos sind die Hinterköpfe einiger Zuhörer zu sehen, die mit interessierten Fragen zur Talkrunde beitrugen.

Von links: Bürgermeister Paul Larue, Schausteller Jakob Schleifer, Schaustellerverbands- vorsitzender Bert Cremer, Platzmeister Achim Greiff und Historiker Dr. Horst Wallraff vom Stadt- und Kreisarchiv beleuchteten in der Talkrunde mit Moderator Ingo Latotzki die verschiedensten Facetten der Dürener Annakirmes.

Zu der Veranstaltung hatten der Geschichtsverein Düren und die Stadt gemeinsam eingeladen. "Die Annakirmes ist Imageträger und bedeutender Wirtschaftsfaktor für Düren." Mit diesem Hinweis auf die Wichtigkeit der Annakirmes eröffnete Ingo Latotzki, stellvertretender Vorsitzender des Geschichtsvereins, als Moderator den Abend.
Dr. Horst Wallraff begann seinen Vortrag mit dem ganz persönlichen Bekenntnis: "Ich bin, wie es sich für einen guten und gestandenen Dürener Jung gehört, eifriger Annakirmesgänger!" Er gab zunächst einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Annakirmes, die mit dem Verbleiben der Reliquie des Annahauptes in Düren und dem einsetzenden Pilgerstrom ihren Ausgangspunkt nahm. "Wenn bei einer Stadt mit 3.000 Einwohnern, wie Düren sie damals hatte, 50.000 Pilger eintrafen, war das ungefähr vergleichbar damit, dass heute eine Million Besucher während der Annakirmestage erwartet werden bei rund 89.000 Einwohnern", zog Dr. Horst Wallraff Parallelen zwischen jetzt und einst. Er verwies ausdrücklich auf die von Dr. Hans Domsta, Anton Krobb und Helmut Krebs erstellte Zeittafel, in der bereits im Jahr 1546 ein St. Annenmarkt und Kirmestag erwähnt wird. Die erste urkundliche Erwähnung der Annakirmes 1638, bei der von zwei "Haupt- und Beimarkttagen" die Rede ist, gilt offiziell als Beginn der Annakirmes, der dieses Jahr mit dem 375-jährigen Jubiläum gefeiert wird. Dr. Horst Wallraff wies mehrfach darauf hin, dass die Entwicklung der Annakirmes ein langsamer Prozess war. Die Forschungsergebnisse von Dr. Horst Wallraff zum Thema Annakirmes werden demnächst als Aufsatz in den "Dürener Geschichtsblättern" veröffentlicht.

Auf der Grundlage einer umfassenden Bilder- und Textsammlung von Bert Cremer, dem Vorsitzenden der Verbandes reisender Schausteller Düren e.V., gab Dr. Horst Wallraff dann einen Überblick über die Platzeinteilung in den verschiedenen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts, die Veränderungen im Angebot der Schaugeschäfte, die Schaustellerdynastien und den Alltag der Schausteller. Die Bilder und Texte hatte er so zusammengestellt, dass sie den jeweiligen Zeitgeist widerspiegelten von Holzachterbahn und Tierbühne in den 30er Jahren über Raupe und Kinderparadies in den 50ern und Rollendem Kaufhaus in den Wirtschaftswunderjahren bis hin zum ersten Dreierlooping in den 70ern.

"Kirmes ist pure Lebensfreude", sagte Bert Cremer in der anschließenden Talkrunde, als Moderator Ingo Latotzki von den Teilnehmern wissen wollte, was den Reiz der Kirmes ausmacht. "Ich finde es faszinierend, wie auf einer grünen Wiese mit und mit eine eigene Welt entsteht", meinte Platzmeister Achim Greiff. Bürgermeister Paul Larue unterstrich: "Kein anderes Fest prägt die Stadt so!" Kirmes-Urgestein Jakob Schleifer, der aus einer der Schausteller-Dynastien stammt, die das Kirmesgeschehen über Generationen hinweg mitgeprägt haben, bekannte: "Die Annakirmes spielt für mich in der 1. Liga. Ich bin seit 1951 ununterbrochen auf dem Platz wie vorher mein Vater und davor mein Großvater."
Ingo Latotzki verstand es, mit geschickten Fragen viel Wissenswertes, Staunenswertes und Witziges aus den Gesprächspartnern herauszukitzeln. So gab Achim Greiff kurzweilig und schlagfertig Einblick in die Aufgaben eines Platzmeisters, der auch nachts noch von der Kirmes träumt. Bert Cremer berichtete von seiner ersten Annakirmes, die er im Alter von sechs Monaten im Kassenwagen verschlief. Bürgermeister Paul Larue schilderte seine schlimmste und seine allerschönste Kirmeserfahrung und Jakob Schleifer riss die Zuhörer mit durch seine spürbare Liebe zu seinem Traumberuf, der von seinem jüngsten Sohn fortgeführt wird.
Dass die Annakirmes weiter Bestand haben wird, darin waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig, aber auch darin, dass sie als Spiegel der gesellschaftlichen Situation in ständigem Wandel bleiben wird. "Schneller, höher, weiter", das wird nicht immer das Motto bleiben. Vielleicht geht der Trend zukünftig wieder ein bisschen zu leiseren Inseln geselligen Beisammenseins und nostalgischen Fahrgeschäften inmitten spektakulärer aktueller Sensationen ...

 

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